DESIGN IS MOMENTUM

tmd: In ihren Vorträgen hören wir öfter das Wort Momentum, oder Geschwindigkeit bringt Sicherheit. Was hat dieser Spruch mit Design zu tun?

mo: Unser ganzheitlicher Design Anspruch bei Tom Ayton hat uns immer wieder damit konfrontiert, gestalterische Grenzen zu überschreiten und ist nicht unwesentlich von unserem sportlichen Hintergrund beeinflusst. Design liefert nicht nur die räumliche Grundstruktur einer Idee, sondern ist auch eine Frage der Zeit: Perfektes Timing, das Potential für hohe Geschwindigkeit durch Training, und manchmal einfach nur hartnäckige Ausdauer sind die entscheidenden Faktoren für überragenden Gestaltungswillen.

tmd: Ausdauer und Gestaltungswille, wie äussert sich das im Entwurfsprozess. Ideen entstehen doch in Sekundenbruchteilen?

mo: Erst die komplexe Umsetzung der Entwurfsidee, abgestimmt vom kleinsten Fertigungsdetail bis zum umgebenden emotionalen Markenraum, oder bis zur fortschrittsoffenen Identität ganzer Unternehmen löst die große Aufgabe eines umfassenden und vor allem erfolgreichen gestalterischen Gesamtkonzepts.

tmd: Schön und gut, und dann endet das Produkt letztendlich in der Reddot Ausstellung oder im Museum?


mo: Nein sicher ist das nicht unser Ziel, höchstens ein netter Nebeneffekt. Wichtiger für erfolgreiches Design wird die Konzentration auf den sich dynamisch verändernden Raum zwischen Hersteller, Produkt und Nutzer. Das ist ein bisschen so wie das bekannte Vexierspiel mit den zwei Personen und der Vase. Wir Gestalter müssen beides im Blick halten und auf Knopfdruck unsere Sichtweise switchen können. Ich bin mir sicher, die Synthese von Markenerlebnis und Produktvorteil ist der entscheidenden Punkt für den Erfolg des Faktor Design in der Zukunft.

tmd: Und was machen aus der Produktrichtung kommende Gestalter da anders als z.B. Werbeagenturen? Die sagen doch auch sie können alles?

mo: Unsere konzeptionelle Sicht als gelernte Produkt Designer und Markengestalter beflügelt die Neugier auf die Möglichkeiten die ein Unternehmen uns bietet, so tief bis in die Fertigung und Innovationsentwicklung kann keine noch so synergetische oder integrierte Agentur einsteigen. Wir dagegen fokussieren mit Tom Ayton und vor allem aytonlab alle Anstrengung auf die Punkte die am nachhaltigsten sind: der Wert der Marke und das verkaufbare Produkt. Für weitere nachgeschaltete Verkaufsmassnahmen gibt es dann die Agenturen. Aber das ist konzeptionell dann nicht mehr so entscheidend.

tmd: Aber so eine Markenentwicklung die nicht von Keyvisuals lebt sondern auf Produkten basiert, das ist jetzt nicht so an einem Tag oder mit einem Projekt gemacht, oder?

mo: Nein, auch wenn mal ein einzelnes Produkt erfolgreich sein kann, eine Designstrategie entwickelt sich über Jahre, ja sogar Jahrzehnte. Aber das ist ja gerade das Schöne an dauerhaften Kundenbeziehungen. Hier entsteht wirklich innovatives und nachhaltiges Design. Darum arbeiten wir als Innovatoren und Designer am liebsten Langzeit orientiert.

tmd: Wird das nicht auf Dauer langweilig? Die meisten ihrer Kunden sind über 10 Jahre alt, manche sogar fast 20?

mo: Nein, sicher ist mir nicht langweilig, es wird eher von Tag zu Tag spannender. Und für den Kunden hat das auch seine Vorteile, denn so entstehen maßgeschneidert übergreifende Lösungen, die nicht zuletzt auch davon leben, die Vorstellungen, Wünsche und Ziele des Auftraggebers aufzugreifen. Fast wie eine externe Inhouse Designabteilung, nur durchaus kreativer weil unser Input ständig aus mehreren Branchen kommt. Ausserdem können alle die mich kennen es mit Sicherheit bestätigen: auch nach 15 Jahren lassen wir es uns nicht nehmen die Dinge voranzutreiben, weiter zu entwickeln und in einem projektbegleitenden partnerschaftlichen Austausch immer wieder mit zielgerichteter Kreativität zu überraschen. Das ist unser Momentum!

tmd: Danke Matthias Ocklenburg für dieses kurze Interview und weiterhin viel Erfolg.
Posted by matthias ocklenburg on 10.10.2012 - 03:10
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